Die wahre Geschichte hinter der Pinsa Romana!

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Meine erste Pinsa habe ich im Sommer 2023 probiert. Wir hatten uns mit Freunden in Gelsenkirchen verabredet und wollten zusammen noch eine Kleinigkeit essen, bevor es losgeht. Es war ein warmer Sommertag und eigentlich noch zu früh für ein richtiges Essen. Da entdeckte ich auf der Karte des Restaurants dieses… Pinsa? Was das wohl ist?

Wie sich herausstellte, scheine ich hinter dem Mond zu leben. Die Pinsa Romana ist schon seit vielen Jahren ein Trendgericht aus Italien.

Ähnlich einer Pizza, durch ihren Belag und die Art der Herstellung mit der langen Gärzeit jedoch anders genug um herauszustechen. Sie ist nicht nur auf den Straßen Roms sehr beliebt, sondern hat sich inzwischen auch international einen Namen gemacht. Oft wird sie auch als die „gesündere“ Alternative zur traditionellen Pizza gepriesen.

Was ist eine Pinsa?

Auch wenn der Name auf die Nähe zur Pizza hindeutet, liegt die Wurzel der Pinsa bei einer Focaccia. Sie ist eine innovative Interpretation und Weiterentwicklung dieses klassischen italienischen Gebäcks.

Die Grundlage ist natürlich, wie sollte es anders sein, das typische italienische Pizzamehl „Farina di frumento 0“ ein Weizenmehl Typ 0. Damit währen wir bei einer Pizza oder Focaccia schon am Ende. Doch bei einer Pinsa geht es mit den Mehlen noch weiter. Es gibt zusätzlich noch einen Anteil an Sojamehl und Reismehl.

Diese beiden Mehle sorgen dafür, dass die Krume wattig und die Kruste splitterig wird.

Darüber hinaus ist das typische einer Pinsa, dass sie mindestens 24 Stunden, wenn nicht sogar 48 Stunden Gärzeit hat. 72 Stunden Gärzeit gibt es übrigens auch bei einer Pinsa. Ich finde lange Gärzeiten durchaus angenehm und auch meine Pizza liegt 24 Stunden im Kühlschrank. Aber 72 Stunden? Das ist echt lang.

Der Belag ist auch nicht ganz so stark auf Käse und Tomatensoße fixiert. Es gibt eine Vielzahl an frischen Belägen. Mein Liebling ist Salat, Vinaigrette und Mozzarella.

Grundsätzlich sollte eine Pinsa nicht mit viel Belag gebacken werden. Auf diese Weise kann der Teig ungehindert im Ofen aufgehen und bekommt diese luftige Struktur. Belegt wird sie dann anschließend, nachdem sie aus dem Ofen kommt. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, eine Pinsa zu belegen und es kommen immer weitere dazu.

Ist die Pinsa ein Gericht der alten Römer?

Diese Geschichten ziehen sich durch sämtliche Berichte, die man über die Pinsa lesen kann: „Ursprünglich stammt die Pinsa aus der Antike…“, oder „lange vergessene Spezialität aus Rom…“ Die Pinsa scheint also ein wiederentdecktes Gericht aus alter Zeit zu sein.

Doch dann entdeckte ich bei meiner Recherche etwas Interessantes:

Ich wollte einen Pinsateig selbst machen und mich dabei so nah wie möglich am Original orientieren. Aus diesem Grund habe ich mir Berichte direkt aus Italien angesehen. Zu meiner Überraschung fand ich ein Interview mit Corrado Di Marco. Dort erzählt er, dass er eigentlich der Erfinder der Pinsa Romana sei und sie eben nicht von den alten Römern ist.

Die Verbindung zum alten Rom kam durch einen Journalisten, den Corrado Di Marco traf. Der Journalist hat fälschlicherweise in seinem Artikel behauptet, dass die Pinsa aus dem alten Rom stammt. Di Marco hatte dies als interessante Marketingstrategie gesehen und dem einfach nicht widersprochen. Ein altes, wiederentdecktes römisches Gericht… Das verkauft sich schließlich ganz gut.

Ich bin kein Historiker und kenne die Feinheiten und Gerichte der alten Römer nicht aus erster Hand. Da es aber mittlerweile auch einen Wikipedia Eintrag über die Pinsa gibt, der das Video mit Di Marco bestätigt, gehe ich davon aus, dass es sich genau so zugetragen hat.

Ich habe zwei Videos von Corrado Di Marco gefunden, die ich beide sehr interessant finde. Da sie auf Italienisch sind, habe ich dir auf Deutsch eine Zusammenfassung geschrieben:

Zusammenfassung der Interviews

In dem Video vom italienischen Kanal Marco Montuori Pizza-Chef erzählt Corrado Di Marco, der Erfinder der Pinsa Romana, seine persönliche Geschichte und die Entstehung der Pinsa. Als Handwerker und Enkel eines berühmten Bäckers, der während des Ersten Weltkrieges arbeitete, wurde Di Marco tief vom Handwerk seines Großvaters und der Neugier seines Vaters beeinflusst. Er erinnert sich an seine Kindheitserlebnisse in der Bäckerei seines Großvaters, insbesondere an die Technik des Pizzabackens und die Bedeutung der Ofenhitze.

Di Marcos Großvater nutzte während des Krieges natürliche Hefe aus verschiedenen Quellen, eine Technik, die Di Marco später wissenschaftlich erforschte und verfeinerte. Durch die Zusammenarbeit mit Forschern entdeckte er die Vielfalt natürlicher Fermentation und wie sie das Backen beeinflusst.

Das Video ist auf Italienisch. Es gibt aber eine automatische Übersetzung in den Untertiteln

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Fakten vs. Mythos: Wann und wie ist die Pinsa wirklich entstanden?

Die Pinsa selbst entstand aus einer Mischung aus Familientradition, wissenschaftlicher Forschung und Di Marcos persönlicher Kreativität. Sie ist eine Neuinterpretation einer traditionellen römischen Focaccia, die seine Großmutter verwendete, um die Temperatur des Ofens zu testen. Di Marco verbesserte das Rezept, indem er Zutaten wie Sojamehl und Reis hinzufügte, um bestimmte Geschmacks- und Texturmerkmale zu erreichen.

  1. Die Geburtsstunde der Pinsa: Im Jahr 2001 wurde die Idee zur Realität, als Di Marco die Pinsa der Öffentlichkeit vorstellte. 
  2. Die Namensgebung: Die Bezeichnung „Pinsa“ leitet sich vom lateinischen Wort „pinsere“ ab, was „schiacciare“ (drücken) bedeutet. Dieser einzigartige Name wurde als EU-Markenzeichen registriert und hat die Pinsa in den vergangenen Jahren in aller Munde gebracht.
  3. Die antike römische Herkunft der Pinsa: Di Marco gesteht, dass die Geschichten über die römische Herkunft der Pinsa rein fiktiv sind, aber sie haben dazu beigetragen, das Produkt interessanter zu machen und die Neugier der Menschen zu wecken.
  4. Die Verbreitung: Dank Qualität und Geschmack hat sich die Pinsa Romana rasch verbreitet. Von einem einzigen Restaurant wuchs die Marke auf über 7.000 Pizzerien, unterstützt durch Messen, Schulungen und Produktverbesserungen.
  5. Die geheime Mehlmischung der Pinsa: Di Marco erklärt, wie sich der Mix von Mehlsorten im Laufe der Zeit entwickelt hat und wie dies den Geschmack des Endprodukts beeinflusst. Du findest keine genauen Mengenangaben über die Zusammensetzung. Das Original gibt es daher nur bei Di Marco
  6. Konkurrenz und Kopien: Di Marco spricht über die Bemühungen anderer, Pinsa zu kopieren, und unterstreicht, dass sie die wahren Pioniere auf dem Markt sind.

Er betont auch die Wichtigkeit von Qualität und Natürlichkeit in seinen Zutaten, hebt die Bedeutung der Familienarbeit in seinem Geschäft hervor und widerlegt Mythen über die antike Herkunft der Pinsa.

In dem nächsten Video-Interview erzählt Corrado Di Marco, wie die Idee der Pinsa Romana aus einem Traum seines Vaters entstand. Die Pinsa sollte ein einzigartiges Produkt sein, das sich von allem anderen auf dem Markt abhebt. Im Jahr 2001 wurde die Pinsa auf den Markt gebracht, nachdem Di Marco die Idee des Franchisings aufgegeben hatte. Das Restaurant „La Pratolina“ war das Erste, das sein Vertrauen gewann und seitdem immer gut besucht ist.

Auch das Video ist auf Italienisch. Es gibt aber eine automatische Übersetzung in den Untertiteln

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Warum glauben die Menschen, dass es sich bei der Pinsa um ein altes römisches Gericht handelt?

Erzählungen von Di Marco aus dem Interview: Die verbreitete Annahme, dass die Pinsa eine alte römische Speise sei, ist tatsächlich ein Missverständnis, das durch einen Journalisten entstanden ist. Corrado Di Marco erklärt, dass diese Geschichte zufällig entstanden ist und keinen historischen Hintergrund hat.

Der Journalist schrieb in einem Artikel, dass Aeneas, als er im Latium landete, aus Hunger auch Pinsa aß. In Wirklichkeit bezog sich der Text jedoch auf ‚Mensen‘ (auf Italienisch ist die Ähnlichkeit wohl größer als im Deutschen), nicht auf Pinsa. Die Römer kannten zwar eine Art von flachem Brot, aber die Pinsa, wie wir sie heute kennen, und insbesondere ihre spezifische Form und Zubereitung, ist eine moderne Erfindung von Di Marco.

Er entschied sich, die Geschichte nicht zu korrigieren, da sie ansprechend und für das Publikum interessant war. So verbreitete sich die Vorstellung, dass die Pinsa eine antike römische Speise sei, obwohl sie tatsächlich ein zeitgenössisches Produkt ist, das auf traditionellen Techniken und Zutaten basiert.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist das Besondere an der Pinsa Romana?

Die Pinsa Romana ist einzigartig wegen ihrer speziellen Mischung aus Zutaten und der Technik, die Di Marco entwickelt hat. Sie ist bekannt für ihre Leichtigkeit, Verdauungsfreundlichkeit und den unverwechselbaren Geschmack.

Was bedeutet Pinsa?

Pinsa leitet sich aus dem lateinischen Wort „Pinsere“ ab und bedeutet so viel, wie zerdrücken, kneten oder zerquetschen. Der Name für das Gericht wurde jedoch nicht nur gewählt, weil er thematisch passt, sondern weil „Pinsa“ eine Ähnlichkeit zur Pizza und zur Pita aufweist. Durch diese Namensähnlichkeit sollten die Menschen sofort einen Bezug zu diesen Gerichten herstellen können.

Wie unterscheidet sich die Pinsa von einer traditionellen Pizza?

Die Pinsa unterscheidet sich in der Teigzusammensetzung, der Fermentation und der Form. Sie ist oval und hat eine knusprige Außenseite bei gleichzeitig weichem Inneren.

Warum verwendet Corrado Di Marco Sojamehl in der Pinsa?

Sojamehl ersetzt tierische Fette und verleiht der Pinsa eine besondere Textur und Geschmack, während es auch den Kaloriengehalt reduziert.

Warum wird Reismehl in einer Pinsa verwendet?

Reismehl wird im Teig verwendet, um die Feuchtigkeitsaufnahme zu regulieren. Es beeinflusst die Textur des Pinsa-Teigs. Es trägt dazu bei, dass der Teig eine knusprige äußere Schicht und eine weiche, luftige Krume erhält, was eine der charakteristischen Eigenschaften der Pinsa ist.

Falls du mal sehen willst, wie das „original“ aussieht, theoretisch kann man das Pinsa-Mehl hier kaufen. Ich habe nur keine Bestellbutton gesehen und 25 Kilo davon brauche ich auch nicht.

Ich fand die Recherche zur Pinsa äußerst interessant. Wie ist es mit dir? Hast du schon einmal eine Pinsa gegessen oder sie selbst gebacken? Schreibs in die Kommentare!

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